Sportler mit einer Plexusparese – Sportstudium

Veit Schopper, Sportstudent

Veit Schopper ist 29 Jahre alt und studiert an der Sporthochschule Köln

Nach einem Motorradunfall mit 16 Jahren hat Veit sein linkes Bein verloren, sein linker Arm hat eine Plexusparese, ein Autofahrer hatte ihn beim Überholen übersehen.

„Nach dem Unfall kurz vor dem Ende der 10. Klasse ging es mir sehr schlecht. Ich habe die Zeit nur noch im Bett verbracht, war schwer depressiv“. Mit der Unterstützung seiner Familie, seiner Freunde und seiner Lehrern, die ihn motivierten mit der Schule weiter zu machen, hat er sich dann aufgerafft. Veit hat die 10. Klasse wiederholt und dann das Abi gemacht. Der Führerschein war damals ein wichtiges Stück Freiheit für ihn. 

Obwohl er vorher sportlich war, spielte der Sport nach dem Unfall keine große Rolle mehr. „Irgendwann habe ich mich dann selber aufgerafft, ich merkte ich werde sonst immer dicker“. Nachdem er zunächst das Rennradfahren für sich entdeckte kam er über den Verein LG Teils Finanz (Regensburg) zu TSV Bayer Leverkusen, einem Verein, der sehr aktiv im Behindertensport ist, zum Leistungssport in die Leichtathletik, im Sprint und Weitsprung.

Nach dem Abschluss seines BWL Studiums konnte sich Veit nicht vorstellen eine sitzende Tätigkeit auszuüben. Er informierte sich, kontaktierte die Sporthochschule in Köln und bereitete sich fünf Monate lang akribisch auf die Aufnahmeprüfung vor. 

„Der Eignungstest wird bei einer Behinderung oder chronischen Erkrankung nicht geändert. Die Prüfung wird von dem Behindertenbeauftragten begleitet. Wenn es zu einem Defizit kommt, wird geprüft, ob dieses dem Handicap geschuldet ist oder die Person sich nicht vorbereitet hat. Es ist definitiv nicht so, dass man sagen kann, „ich habe ein Handicap, ich komme schon durch“. 

Veits Interessen haben sich inzwischen weg von der Leichtathletik in Richtung Kraftsport und CrossFit orientiert. Er überlegt noch in welchem Bereich er nach seinem Abschluss arbeiten möchte. Wie wichtig Sport bei einer Behinderung ist, und was für einen positiven Einfluss Sport auf die Psyche hat interessiert ihn sehr. 

„Ja, ich habe ein Handicap, aber ich komme schon durch. Ich würde definitiv lügen, wenn ich sagen würde, dass mich das nicht stört. Ich kann aber meinen Alltag ganz normal bestreiten.“ 

Wie selbstverständlich seine Kommilitonen mit ihren Fähigkeiten umgehen macht ihn manchmal traurig. „Man vergleicht sich immer, ich denke mir oft, die könnten es besser, wenn sie ihr Potential erkennen würden. Da ist dieses Potential und sie schöpfen es nicht aus.“

Wenn er neuen Menschen begegnet, fragen diese oft „Was ist mit deinem Arm?“ und wundern sich, dass seine Hose am Bein komisch fällt, er trägt eine Prothese aus Stahl und Karbon, und versteckt sie nicht. 

Eltern und Plexuskindern rät er, einen Weg zum Sport zu suchen. „Probiert es aus, nicht verzagen, nicht aufgeben.“

 

Weitere Infos zu Veit:

Artikel, ze.tt, „Mit einem Bein und einem Arm auf die Sporthochschule“, Philip Buchen, 19.02.2016

Mit einem Bein und einem Arm auf die Sporthochschule

Artikel Express,“Mutmacher-Video Halbseitig gelähmter Kölner schafft SpoHo-Test mit 20 Disziplinen“, Philip Buchen, 

https://www.express.de/koeln/mutmacher-video-halbseitig-gelaehmter–koelner-schafft-spoho-test-mit-20-diziplinen-24078196

Video: Sportstudium mit Handicap

Artikel Express,“Nur ein Bein, gelähmter Arm 26-Jähriger schafft Kölner SpoHo-Test“, Philip Buchen, 01

https://www.express.de/koeln/nur-ein-bein–gelaehmter-arm-26-jaehriger-schafft-koelner-spoho-test-23984924

Radiobeitrag SWR2 „Ich bin ein zäher Hund„, Gerd Michalek, 16.10.2017

Infos zum Studieren mit Behinderung an der Deutschen Sporthochschule Köln